Gospel Singers eroberten ihr Publikum beim ersten großen Auftritt seit zwei Jahren

LANGENFELD. Als Chorleiter Gregor Brück zum Beginn des Konzertes seiner Gospel Singers in der Richrather Martin-Kirche darauf hinwies, dass dies der erste größere Auftritt seit zwei Jahren sei, mag sich mancher gefragt haben: Sind sie jetzt besonders heiß – oder eingerostet? 100 Minuten später gab es keinen Zweifel darüber.
Chormitglied Ute Kühn erklärte, warum es kein Programmheft gibt: Der Dirigent soll nicht in ein enges Korsett gezwängt werden und die künstlerische Freiheit behalten, auf aktuelle Stimmungen im Publikum flexibel reagieren zu können. Die ersten Gospels: „Somebody’s knockin at your door“ ist beschwingt und tänzerisch, „In the water“ düster und spannungsvoll, dann etwas Rock’n Roll, wieder etwas Andächtiges und Moll-Dominiertes und, das darf nicht fehlen, das bekannte „Jericho“ – kurz, leicht und knackig kommt es daher. Noch sprang der Zuhörer-Motor nicht an. Die intensive Probenarbeit der letzten Zeit war aber deutlich zu hören. Keine Intonations-Schwächen. Tempowechsel und würzende dynamische Feinarbeit wurden gekonnt und nie gekünstelt in Szene gesetzt.
„When the saints“ war das erste Stück zum Mitsingen und –klatschen. Der Chor hatte spürbar Spaß daran, sein Publikum singen zu lassen. Regina Wegener, Sängerin im Alt und dazu die Schriftführerin der Gospel Singers, erzählte nachdem Konzert, dass es an den Gospels und Spirituals liege, mit denen sie aus der traditionellen Chormusik ausbrechen und die eher der heutigen Zeit entsprechen.
Auf einmal wirkten die roten, gelben und blauen Tücher, die sich die Sängerinnen des Chores umgehängt hatten, auf den schwarzen Gewändern gleich doppelt so leuchtend. Das Zuhörer-Ohr wachte jetzt richtig auf. Besondere Freude auf und über die langsameren Lieder, die der Chor ausgestattet mit sanften Stimm-Teppichen der Männer und klaren Frauenstimmen, besonders spannungsvoll einfühlsam nahe brachte. Dirigent Brück überraschte seinen Chor mit einem eilends eingeflogenen Dudelsack-Spieler. Künstlerische Freiheit! Richtig feierlich und ein wenig hymnisch krächzte es aus dem wunderlichen Instrument.
Nach der Pause glitzerten vor allem bekannte Pop-Perlen aus den Sechzigern. Besonders das „Beach Boys“-Medley begeisterte das längst eroberte Publikum. Männerstimmen werden aber bei den Gospel Singers noch gebraucht – damit auch der nächste Konzertabend wieder ein besonderer wird.
Proben jeden Montag, 20:00 Uhr in der Stadthalle.

Rheinische Post Sept. 1999
Christoph Roolf